Zur Verbesserung der Zusammenarbeit unter den Muslimen
Über Meinungsverschiedenheiten
und resultierende Probleme
- das letzte Kapitel von:
Modern Salafism & Its Effect On Muslim Disunity [*]
von Shaykh Sa`id `Abd Al - Latif Foudah

[ Titel und Anm. und übersetzt von OmarKN]

Es besteht kein Zweifel, daß die Wissenschaft der [islamischen] Theologie [dh. Wissen über Allah, Seine Botschaft, `ilm ] die am besten geeignete Wissenschaft zur Erforschung der unterschiedlichen Standpunkte der verschiedenen islamischen Richtungen ist und um herauszufinden, was davon richtig und was falsch ist, oder welche Auffassung besser ist als eine andere. Die Muslime sind von Rechts her ermahnt worden, über die Angelegenheiten ihrer Religion zu beratschlagen, im Gegensatz zu jenen, die glauben, dass dies rechtswidrig sei. Dies liegt daran, dass Uneinigkeit in der Tat vorhanden ist, und dafür zu arbeiten Unterschiede entweder zu entfernen oder zu verringern ist eine Pflicht, so weit irgend möglich. Es ist unmöglich, diese Meinungsverschiedenheiten zu beseitigen oder auch nur es zu versuchen, ohne Rückgriff auf die Theologie zu nehmen und auf die beste Art zu argumentieren. Über die prinzipiellen Fragen der Religion [des Islam] zu sprechen - das Credo ( `aqîdah) - ist zweifelsohne gefragt und erwünscht.

Meinungsverschiedenheiten zu vernachlässigen, zu versuchen sie zu vergessen, oder sie unter den Teppich zu kehren, wird nie eine brauchbare Alternative sein, wenn man versucht das zu erreichen, was [der Wahrheit] am nächsten ist und was rechtens ist. Die Tatsache, dass es unmöglich ist, eine alle Muslime umfassende Einigung zu erzielen, kann nicht rechtfertigen, pauschal Meinungsverschiedenheiten unter den Teppich zu kehren. Die Grundlagen des theologischen Diskurses zeigen, dass Unterschiede in der Tat vorhanden sind. Es ist jedoch ebenfalls in der aufrechten Religion [des Islam] festgelegt, dass die Muslime verpflichtet sind, zusammenzuarbeiten. Folglich haben wir hier zwei grundlegende Prämissen:

A. Meinungsverschiedenheiten bestehen heute und werden weiter bestehen.
B. Die Zusammenarbeit unter den Muslimen ist eine Pflicht.

Wenn wir also vorgeben, es sei für uns unmöglich, als Muslime zusammenzuarbeiten, bevor wir nicht völlig in der [islamischen] Lehre übereinstimmen - sowohl in ihren grundlegenden Prinzipien, wie auch in ihren untergeordneten Fragen, dann würde dies bedeuten, eine Zusammenarbeit wäre unmöglich, was aber eine falsche Schlussfolgerung ist.

Wenn wir behaupten, dass wir zur Zusammenarbeit verpflichtet sind und dass unsere Einigkeit eine Bedingung dafür ist, dann hiesse dies, unsere Differenzen zu vergessen und sie unter den Teppich zu kehren. Nun ist das natürlich auch falsch, denn es würde mit sich führen zu vernachlässigen, was wirklich ist und zu ignorieren was nicht ignoriert werden kann. Jede Sekte [Richtung im Islam] behauptet, sie sei korrekt und auf [dem Weg zur] Wahrheit, wie kann dann einer Sekte geboten werden das zu ignorieren, von dem sie behauptet, die richtige Auffassung zu haben?

Der wohlfundierte, auf den Grundlagen des theologischen Diskurses basierende Standpunkt, fordert alle – mit einem gewissen Grad der Untersuchungskraft – auf, die beiden Prämissen zusammenzufassen. Die erste Prämisse hat ihren Ursprung in der Sinneswahrnehmung, und bezieht sich auf die Mittel der Erkenntnis. Die zweite Prämisse kommt aus dem eindeutigen Text der Religion [des Islam]. Es ist nicht zulässig die eine oder die andere von ihnen zu vernachlässigen oder sie zu ignorieren.

Die logische Schlußfolgerung daraus ist, dass es unsere Pflicht ist zusammenzuarbeiten unter Wahrung der eigenen Meinungsverschiedenheiten, und dass es notwendig ist, konkrete Maßnahmen zu ergreifen, in denen diese beiden Prämissen und Realitäten beachtet werden können. Schließlich ist es zwingend erforderlich, mit anderen zusammenzuarbeiten, während man die Meinungsverschiedenheiten zur Kenntnis nimmt. In diesem Fall muss man entweder die Zusammenarbeit auf dem begründen, wo man sich uneinig ist und es Meinungsverschiedenheiten gibt, oder wo man sich einig ist, aber natürlich kann konstruktive Arbeit nur gegründet sein auf einem Sachverhalt, bei dem es Übereinstimmung gibt.

Rechtsverbindliche Handlungen, die durchgeführt werden müssen, sollen auf den Punkten der Übereinstimmung bei den Muslimen gegründet sein, ohne die besonderen Eigenschaften der einzelnen islamischen Richtungen und Sekten zu vernachlässigen und dafür zu sorgen, immer auf die beste Weise zu argumentieren.

Manch einer betrachtet die Meinungsverschiedenheiten unter den Muslimen als Bedrohung und Gefahr, die bekämpft werden müssen, und glauben dass sie schädlich sind, da sie die Umma zerstören könnten. Wir haben da eine abweichende Meinung und behaupten dass, obwohl die Existenz von gut durchdachten Meinungsverschiedenheiten zwischen den großen Sekten einige schädliche Folgen haben können, doch ihre Vorteile insgesamt überwiegen. Der wichtigste dieser Vorteile ist konstante Hinterfragung und kontinuierliche Erforschung der Grundlagen [der eigenen Auffassungen]. Dies wiederum führt dann zu einem Wettstreit bei der Widerlegung der Verwirrungen der äusseren, nicht der Religion angehörenden Gegner, die – wie Imam Al-Ghazali sagte, als er mit den Philosophen argumentierte:
“Ich wende mich an Sie nicht bloß mit dem Argument der Ash'aria, ich wende mich an Sie mit dem Argument aller gesamten islamischen Richtungen: sie alle sind vereint gegen Sie.”
Und Allah gewährt jeglichen Erfolg

Sa'id Foudah



*Dies ist das Schlusskapitel aus einem Papier zum Thema:
Der moderne Salafismus & ihre Auswirkungen auf muslimische Uneinigkeit
MODERN SALAFISM & ITS EFFECT ON MUSLIM DISUNITY
PAPER  SUBMITTED  TO  THE  CONFERENCE  OF   THE  INTERNATIONAL  
ISLAMIC UNIVERSITY OF  MALAYSIA
Shaykh Sa'id `Abd al-Latif Foudah



Lesen Sie den vollständigen Text (PDF) hier:
http://www.marifah.net

(mit Erlaubnis des Verfassers)






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2009-05-20





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