Islamische Geschichten

Nasrudin als Fährmann

Nasrudin setzte [ als Fährmann] einen Pedanten über ein stürmisches Wasser.
Als er etwas sagte, das grammatikalisch nicht ganz richtig war, fragte ihn der Gelehrte: "Haben Sie denn nie Grammatik studiert?"
"Nein."
"Dann war ja die Hälfte Ihres Lebens verschwendet!"
Wenige Minuten später drehte sich Nasrudin zu seinem Passagier um:
"Haben Sie jemals schwimmen gelernt?"
"Nein. Warum?"
"Dann war Ihr ganzes Leben verschwendet - wir sinken nämlich!" (12)

Von: Idries Shah: Die Sufis. München 1994, S. 59.

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Nasredin Hodscha und der Kirschbaum

Eines Tages saß Nasredin Hodscha unter einem Kirschbaum und döste.
Gegenüber befand sich ein Feld mit Wassermelonen. Vertieft in die Betrachtung der Melonen, begann Nasredin sich zu wundern.
Er sagte zu sich: "Seltsam ist, daß solch große Früchte wie die Wassermelonen an solch zarten Sträuchern wachsen, und solch kleine Früchte wie die Kirschen über mir an einem so großen Baum. Das kann nicht mit rechten Dingen zugehen. Ist dem Schöpfer nicht etwa doch ein Fehler unterlaufen?"
In diesem Moment fiel eine Kirsche vom Baum direkt auf Nasredins Kopf, so daß er rief: "Gepriesen sei Gott, der Allmächtige, der Allweise. (13)

Gehört von `Abdullah Dornbach, Maulana-Scheich und Leiter des Sufi-Archiv Deutschland e.V. in Trebbus.

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Wie 'Azrâ'îl einen Mann ansah und dieser zum Palast Salomos floh;
Darlegung der Überlegenheit des Gottvertrauens über die Anstrengung und deren Nutzlosigkeit

Eines Vormittags kam ein Edler und rannte in Salomos Gerichtssaal,
Mit vor Gram blassem Gesicht und blauen Lippen. Da sagte Salomo: "Guter Herr, was ist geschehen?"
Er antwortete: "'Azrâ'îl hat mir einen Blick zugeworfen, der voller Zorn und Hass war."
"Komm", sagte der König, "was wünschst du, sprich!" "O Beschützer meines Lebens", sagte er, "befehle dem Wind,
Mich von hier nach Indien zu tragen. Vielleicht kann das Leben deines Sklaven dort gerettet werden."
Sieh, die Leute fliehen vor der Armut; deshalb sind sie eine Beute für Gier und Geiz.
Die Angst vor Armut ist wie dieser Schrecken: Gier und Ehrgeiz werden hier durch Indien symbolisiert.
Salomo befahl dem Wind, ihn schnell über das Wasser in den hintersten Teil Indiens zu tragen.
Am nächsten Tag, zur Beratungszeit, sagte Salomo zu 'Azrâ'îl:
"Hast du jenen Moslem deshalb so zornig angesehen, damit er weit weg von zu Hause herumwandert?"
'Azrâ'îl sagte: "Wann habe ich zornig geschaut? Ich sah ihn im Vorübergehen und wunderte mich,
Denn Gott hatte mir befohlen: 'Höre, nimm ihm heute sein Leben in Indien.'
Verwundert dachte ich bei mir: 'Selbst mit hundert Flügeln ist es eine lange Reise für ihn bis nach Indien.'"
Beurteile alle Angelegenheiten dieser Welt auf diese Art, öffne deine Augen und sieh!
Wovor sollen wir fliehen? Vor uns selbst? Welche Absurdität! Wem sollen wir uns entziehen? Gott? Welches Unglück!

 

Die Geschichte von dem Inder, der sich mit seinem Freund über eine bestimmte Handlung stritt und nicht merkte, dass auch er daran beteiligt war

Vier Inder gingen in eine Moschee; sie beugten ihre Häupter und warfen sich zum Gotteslob nieder.
Jeder verrichtete den takbîr nach dem nîyyat und begann unterwürfig und demütig zu beten.
Der Muezzin kam, und einem von ihnen entschlüpfte die Bemerkung: "O Muezzin, hast du zum Gebet gerufen? Ist es Zeit?"
Der zweite Inder fühlte sich gezwungen, zu sagen: "He, du hast geredet, und dein Gebet ist ungültig."
Der Dritte sagte zum Zweiten: "O Onkel, warum tadelst du ihn? Sag es zu dir selbst.
Der Vierte sagte: "Gott sei gelobt, dass ich nicht in die Grube gefallen bin, wie diese drei."
Also waren die Gebete aller Vier verdorben; und die Fehlersucher waren noch mehr abgewichen als der Erste.
Oh, glücklich ist die Seele, die ihren eigenen Fehler sieht, und die, wenn jemand einen Fehler benennt, diesen auf sich nimmt!
Denn eine Hälfte jedes Menschen gehört zum Reich der Fehler, und seine andere Hälfte zum Reich des Unsichtbaren.
Weil du zehn Wunden auf deinem Kopf hast, musst du dir selbst einen Verband anlegen.
Den Fehler bei sich selbst suchen ist das Heilmittel; erst wenn das Herz gebrochen ist, ist die Gelegenheit für "Habe Mitleid."
Wenn du keinen solchen Fehler hast, sei dir nicht sicher; vielleicht tritt dieser Fehler später bei dir auf.
Du hast Gott nicht sagen gehört: Fürchtet euch nicht; warum hältst du dich dann für sicher und glücklich?
Jahrelang lebte Iblîs in gutem Ruf; er wurde entehrt; merke dir seinen Namen.
Seine Vorzüglichkeit war in der Welt berühmt; sein Ruhm wendete sich, wehe ihm!
Strebe nicht nach Ruhm, bis du sicher bist; wasche dir die Angst vom Gesicht und zeige es erst dann!
Solange dein Bart nicht wächst, mein guter Mann, spotte nicht über einen Anderen, der ein glattes Kinn hat.
"Denke daran, dass Iblîs Seele geprüft wurde, bis er stürzte und zur Warnung für dich wurde."
Du bist nicht gefallen, um eine Warnung für ihn zu werden. Er hat das Gift getrunken; iss du seinen Zucker!

sufi.freepage.de/lpmatn.htm, x L 20120708




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2001-04-18





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