Warum im frühen Islam
Krieg geführt wurde

von Omar K Neusser

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0. Einleitung

Da der moderne Mensch den Glauben an das Absolute, Ewige, an Gott und Seine Botschaft verloren hat und nicht weiss wie er sein Leben danach einrichten kann, oder da er es nicht will, ist es schwer für ihn, wenn nicht unmöglich, gewisse Erscheinungen btr. der Religion im allgemeinen und des Islam im besonderen im rechten Licht zu sehen. Wie sollte er auch, denn er kann vom Islam bloß das verstehen, was seinen theologischen und historischen Kenntnissen entspricht. Auch ist sein Urteilsvermögen getrübt von den Voruteilen, die betreffend Tradition und Religion im Namen der Modernität florieren.

Dazu gehört die Frage der Gewalt und des Kampfes. Es wird oft behauptet, Muslime hätten genauso wie Christen Eroberungskriege für Ruhm und Reichtum geführt. Es ist in den 1400 Jahren seit Bestehens des Islam nicht auszuschliessen, daß dies zu gewissen Zeitpunkten in der Geschichte der Fall gewesen ist, doch die unausgesprochene Prämisse dabei, daß der Islam an sich gewaltsam oder kriegerisch sei, ist ganz abwegig.
Einige mögen dabei die Aufforderung der Bibel in Gedanken haben, bei Agressionen die andere Wange hinzuhalten, eine Fehlinterpretation, die der Koran berichtigt . Dadurch wird verhindert, die Gewaltlosigkeit zu verabsolutieren.

Prinzipiell erstrebt der Mensch und die Gesellschaft im Islam den Frieden: Frieden mit Gott, Frieden mit seinen Mitmenschen, Frieden mit sich selbst. Der Islam erlaubt nur den Kampf oder den Krieg zur Selbstverteidigung , d.h. zur Verteidigung des Menschenlebens, seiner Würde und seines Besitzes, bzw. des Gemeinwesens in dem er lebt und das angegriffen wird, wenn alle anderen Wege, die Bedrohung zu beseitigen, erfolglos geblieben sind. Das ist für jene, die Verstand haben, immer noch ein einleuchtendes Prinzip.
Natürlich verbietet der Islam den Kampf oder den Krieg zur Unterwerfung oder Unterdrückung anderer Menschen.

Auch ist es unlogisch und ungerecht, der letzten offenbarten Weltreligion des Islam und den Muslimen Vorfälle anzulasten, die einzelne Gruppen von Muslimen und solche Individuen, die sich als Muslime ausgeben, aufgrund ihrer soziopolitischen Lage und persönlichen Entscheidung vor Gott zu verantworten haben.

Wie die Frage der Selbstverteidigung und des Krieges im Islam gelöst wird, beweist erstens der Koran durch das Wort des Allmächtigen Gottes und zweitens das Lebensmuster des Gesandten Allahs , dh. die Art und Weise, wie er in dieser Frage handelte; denn der beste, reinste Islam, den es in dieser Welt gegeben hat, war derjenige zu Lebzeiten des Gesandten Allahs .

Die folgenden Abschnitte zeigen, wie sich die Gegensätze zwischen der jungen islamischen Gemeinde und den Ungläubigen zu Lebzeiten des Propheten Mohammad immer mehr zuspitzten, bis sie sich in Kriegen entluden und wie diese Konflikte durch den Gesandten Allahs gehandhabt wurden.

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1. Die Verbreitung der göttlichen Botschaft und anfängliche Schwierigkeiten damit bei den Meckanern

Wie die Botschaft des Einen Gottes von den Polytheisten ausgelegt wurde, sieht man an ihrer abweisenden und feindlichen Einstellung.

Als Allah, der Allmächtige und Erhabene, Muhammad als Seinen Gesandten erwählt hatte, wurde die Offenbarung vervollständigt und Muhammad glaubte an Gott und nahm die Offenbarung als eine wahrhaftige auf, und übernahm, was ihm aufgetragen wurde, bei dem Wohlgefallen und Groll der Menschen.

Trotz allem Widerspruchs wegen ihres Glaubens und teilweise grausamen Misshandlungen durch ihr Volk hatte der Prophet und die Muslime zu Beginn der Offenbarung in Mecka nicht das Recht sich zu verteidigen, erst zehn Jahre später kam dazu die koranische Erlaubnis. (siehe Abschnitt 3 )

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2. Feindschaft und Verfolgungen; das erste Blut

Der Prophet verkündete anfangs den Islam nur seinen engsten Verwandten und Vertrauten. Nach seiner Frau Khadija war Ali der erste (junge) Mann, der an Mohammad glaubte, mit ihm betete und seine Offenbarung für wahr hielt und ihn in seinem Vorhaben unterstützte . Nachdem der gelehrte Kaufmann Abu Bakr Muslim geworden war, bekannte sich Mohammad offen zum Islam und forderte andere zu Gott und seinem Gesandten auf.

Das Volk seines Stammes hielt sich nicht fern von ihm und widerlegte ihn nicht, bis er von ihren Göttern sprach und sie schmähte , da fingen sie an ihn zu verleugnen, sie erklärten ihn für untragbar und sie beschlossen, ihm entgegenzuhandeln und ihn anzufeinden, mit Ausnahme derer, welche Gott durch den Islam bewahrt hatte, sie waren aber in geringer Zahl und verachtet.(hadith: )

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3. Die Erlaubnis sich zu verteidigen und Krieg zu führen und die Hijra, dh. Auswanderung nach Medina

Der Prophet aber fuhr fort, die Religion Gottes zu verkünden und zum Glauben an Ihn aufzurufen, wodurch sich die Beziehungen zwischen ihm und seinen Gegnern weiter verschlechterten , soweit daß die Ungläubigen sogar versuchten den Gesandten Allahs zu töten. Da befahl Gott zunächst den Muslimen und dann Mohammad , nach Medina auszuwandern.
Von nun an und es waren zehn Jahre seit dem Beginn der Offenbarung vergangen, brauchten die Muslime sich nicht mehr gewaltlos der Verfolgung durch die Ungläubigen auszusetzen, ihnen wurde die Erlaubnis gegeben, sich zu verteidigen .

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4. Streifzüge gegen die Meckaner und Schlachten (Badr, Uhud, Grabenschlacht)

Wer erfährt, wie es den friedlichen Muslimen in Mecka ergangen war und wie die Ungläubigen alles daran taten ihnen zu schaden und sogar so weit gingen, auf den Propheten einen Mordanschlag zu verüben, dem wird klar, daß man mit den Meckanern nicht in Harmonie und Frieden leben konnte. Es leuchtet ein, daß die kleine, entschlossene Glaubensgemeinschaft (ummah) ums Überleben ringte.

Die Muslime starteten von Medina aus ein Reihe von Expeditionstrupps (ghazwah) zT. unter der persönlichen Führung des Propheten Muhammads .

Eine Gruppe von Historikern sieht in diesen Streifzügen den Beweis für den kriegerischen Geist des Islam. Sie behaupten, die Muslime wollten sich an den Kureisch rächen, indem sie einerseits ihre Karawanen angriffen und andererseits ihre Waren erbeuteten. Diese kritischen Betrachter der islamischen Geschichte scheinen davon auszugehen, die Muslime hätten sich besser kampflos ihrem überlegenen Feind der Heiden ergeben sollen. Ja, das wäre den Ungläubigen gewiß am liebsten gewesen!
Wie dem auch sei, darf man nicht vergessen, daß die Muslime aus Mecka vertrieben worden waren, daß sie alle Habe verloren hatten und auf die milden Gaben der Medinenser (Al-Ansar) angewiesen waren, dh. die Muslime hatten kaum etwas zu essen . Deswegen erlaubte ihnen der Prophet Beute zu machen.

Eine andere Gruppe von Historikern hat jedoch die geschichtlichen Tatsachen detalliert untersucht, was auch aufgrund der Quellen möglich ist, und herausgefunden, daß ihrer Meinung nach die Muslime anfangs keine Überfälle oder Kriege beabsichtigten, sondern daß diese Streifzüge zur Selbstverteidigung geführt wurden.

Nicht nur verliefen die ersten Streifzüge friedlich, sondern die Muslime waren für Kampfhandlungen auch überhaupt nicht ausgerüstet: Es waren Gruppen von weniger als 30, andere Male weniger als 60 Männern (und es waren nur Muhajirun, keine Ansar); auf der Seite der Kureisch war es immer eine Streitmacht von mehreren hundert Kriegern. Daraus folgt, daß es dem Propheten in Wirklichkeit darum ging, die Götzendiener einzuschüchtern und ihnen zu zeigen, daß die junge muslimische Gemeinschaft eine politische Kraft war, mit der sie rechnen und mit denen sie schließlich zu Rande kommen müssen. Der Vertrag von Hudaibiya (siehe Abschnitt 5 )

Zur ersten Schlacht von Badr kam es, als die Meckaner zum Schutz ihrer Karawane ein Heer aus Mecka schickten. Die Niederlage der Kureisch führte wiederum zu weiteren kriegerischen Auseinandersetzungen von Uhud und zur Grabenschlacht. Nun war es voller Krieg, in dem die Götzendiener der Kureisch Feldzüge nach Medina unternahmen, um die Muslime zu unterwerfen.

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5. Der Waffenstillstand von Hudaibiya

Die Muslime waren schon seit sechs Jahren in Medina und sehnten sich danach Mecka wiederzusehen, als der Gesandte Allahs im heiligen Monat zur kleinen Wallfahrt ('Umra) aufrief. Er hatte nämlich in einer Vision gesehen, daß ihm dabei Erfolg beschert werden würde. Durch dieses Vorhaben wurden die Qureischiten in ein Dilemma gebracht, denn einerseits hätte es für sie ungünstig ausgesehen, als Bewacher des Heiligen Gebiets der Kaaba Pilgern den Zutritt zu verwehren, andererseits haßten sie den Propheten und die Muslime zu sehr, als daß sie ihnen den Zugang zur Gebetsstätte (Haram) hätten erlauben können. Dazu kam noch, daß sie die Muslime fürchteten und das Risiko, ihren politischen und ökonomischen Einfluß über die Stämme der Araber zu verlieren.
Als die Muslime als Pilger mit ihren Opfertieren in die Nähe von Mecka kamen, blockierten ihnen eine bewaffnete berittene Abteilung den weiteren Weg, aber die Muslime waren zum Kampf bereit. Der Gesandte Allahs jedoch, der unbewaffnet ausgezogen war, ließ sich durch die Kureisch nicht provozieren, sondern suchte einen anderen Weg, sie waren als Pilger in friedlicher Absicht gekommen. Er wollte mit seiner Politik die Spannungen des Krieges verringern und Vertrauen schaffen und die verwandschaftlichen Beziehungen mit den Kureisch verbessern.
Nach einigem Verhandeln kam es zum Waffenstillstand von Hudaibiya, der für 10 (oder nach einer anderen Überlieferung für zwei) Jahre gelten sollte, unter der Bedingung, daß wer ohne Erlaubnis seines Vorgesetzten zu Muhammad nach Medina gehe, ausgeliefert werden sollte; wer aber zu den Kureisch ginge brauche nicht zurückgeschickt zu werden und daß die Muslime dieses Jahr auf die Umra verzichten würden, daß sie jedoch das folgende Jahr ihre kleine Wallfahrt machen könnten, ohne die Anwesenheit der Meckaner.
Die Menge der Muslime sahen ihre Erwartungen betreffend der Wallfahrt nicht erfüllt und es gab in ihren Rängen Zweifel darüber, mit den Ungläubigen, die sie so verfolgt und bekämpft hatten, einen für jene - wie sie dachten - derartig vorteilhaften Vertrag gemacht zu haben. Sogar Omar Ibn Al-Khattab verstand nicht, wie der Gesandte Allahs sich auf ein für den Islam scheinbar so nachteiliges Abkommen hatte einlassen können.
Bei der Rückkehr nach Medina wurde die Sure Al-Fath offenbart, also 'der Sieg', denn der Vertrag von Hudaibija war in Wirklichkeit ein Sieg für den Islam und die Muslime , errungen nicht durch die Unterwerfung anderer Völker mit Waffengewalt, sondern durch die weise Führung des Propheten Mohammad :

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6. Die Eroberung Meckas

Der Waffenstillstand wurde jedoch von den Meckanern bzw. von deren Verbündeten (Banu Bakr) gebrochen, woraufhin Mohammad zur Vorbereitung auf einen Kriegszug nach Mecka aufrief. Abbas, der gerade Muslim geworden war, versuchte eine für die Kureisch vernichtende Schlacht zu verhindern und wollte vermitteln. Als er auf Abu Sufjan traf, einen ihrer Führer, nahm er diesen nach Medina mit, stellte ihn unter seinen Schutz und mahnte ihn Allah als den einzigen Gott und Mohammad als Seinen Propheten anzuerkennen, um so sein Leben zu retten . Abu Sufjan bekannte sich zum Islam, wurde in seiner Stellung als ein Führer der Kureisch bestätigt und kehrte - von der Übermacht der Muslime überzeugt - nach Mecka zurück. Dort warnte er sein Volk vor der großen Kampfkraft und Entschlossenheit der Streiter des Islam und verlautbartete als ein Versprechen des Propheten die folgende Sicherheitsgarantie:

Jeder könnte sicher sein, der nicht offen gegen die Muslime kämpfe und sich entweder in seinem eigenen Haus einschließe oder in das Haus von Abu Sufjan oder in die Heiligen Moschee begebe. Dadurch wurde dem Feind eine Alternative, oder einen Ausweg gewiesen, er konnte sich neutral verhalten.
Womit verpflichtete der Gesandte Allahs seine muslimischen Kriege? Er befahl ihnen nicht zu kämpfen und kein Blut zu vergiessen, es sei denn gezwungenermassen. Einem seiner Befehlshaber, er hieß Sad Ibn Ubada, wurde die Fahne weggenommen, da er dem Befehl des Gesandten nicht gehorchen wollte und auf Blut und Rache aus war. Trotzdem diesen Umständen hatten sich einige Götzendiener entschlossen gegen Mohammad zu kämpfen, wurden jedoch vom grimmigen General Khalid Ibn Al Walid, der inzwischen auch Muslim geworden war, schnell in die Flucht geschlagen.
In einer Rede an die Kureisch verkündete der Gesandte Allahs eine allgemeine Amnestie, deren Bedingungen in der Geschichte der Menschheit ihresgleichen sucht . Mohammad kannte jene von den Kureisch, die ihn einst töten und noch vor kurzem vernichten wollten, hätten sie nur dazu die Gelegenheit gehabt. Die islamische Armee war imstande, die Kureisch vollständig zu vernichten. Doch der Prophet Mohammad wollte es anders. Außer von vier bis fünf Götzendienern, die vom Islam abgefallen und im Krieg auf die feindliche Seite übergelaufen waren (zB. Abdallah Ibn Sa'ad), verzieh er seinen Feinden im Augenblick des Triumpfes! Damit setzte er, der alle Macht nur von Allah bekommen hatte, der Menschheit auf alle Zeiten ein Beispiel für Großmut, Treue und Erhabenheit der Seele.

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7. Tabuk und der Sieg des Islam in ganz Arabien

Nach der Einnahme Meckas durch die Muslime erkannten die meisten arabischen Stämme die Herrschaft des Islam an. Sie hatten die Wahl entweder bei ihrer Religion zu bleiben und eine Grundsteuer zu zahlen, oder den Islam anzunehmen und die Armensteuer (zakat) zu entrichten . Zwei Stämme verweigerten jedoch die Steuer zu bezahlen. Die einen vertrieben den Steuereinnehmer mit Waffengewalt, woraufhin Allahs Gesandter eine Reitertruppe gegen sie schickte, der einige von ihnen zu Gefangenen machte und nach Medina brachte. Sie wurden nach einem Rede- und Dichterwettbewerb von der Schönheit und Gerechtigkeit des Islam eingenommen, bekannten sich zu Gott und dem Propheten und wurden freigelassen. Die anderen fürchteten sich vor den Folgen einer Rebellion und bereuten rechtzeitig.
Daraus sieht man wie der Gesandte Allahs Streitigkeiten friedlich beilegte, ohne die göttlichen Botschaft zu kompromittieren und wie er die zahlreichen Stämme auf der arabischen Halbinsel unter der Fahne des Bekenntnisses: 'Es gibt keinen Gott außer Allah und Muhammad ist sein Prophet,' vereinen und befrieden konnte.
Kurz darauf erreichte ihn jedoch die Nachricht, daß die Römer begannen, einen Kriegszug zur Überschreitung der Nordgrenze aufzustellen. Die Muslime mußten sich der neuen Gefahr stellen. Mit 30.000 Mann zogen sie gegen die Römer zu einer Jahreszeit, wo es in der arabische Wüste am heißesten war. Doch die Römer wollten den Kampf lieber vermeiden und zogen sich in ihr Hinterland zurück, was wiederum diejenigen enttäuschte, die der Beute willen ausgezogen waren, nicht aber jene Muslime, die um Gottes und Seines Propheten willen aufgebrochen waren. Jene konnten nicht verstehen, warum der Prophet kampflos vom Feinde abließ und warum er sie ohne Beute nach Medina zurückkehren ließ. Sie legten keinen Wert auf die Bedeutung der Verträge , die vereinbart wurden.
Eine Folge dieses Kriegszuges war nämlich , daß der Gesandte Allahs mit einigen Stämmen im Grenzbereich der ummah Sicherheitsverträge abschliessen konnte, einschließlich der Erhebung einer Schutzsteuer und daß diese Gebiete einen Puffer zwischen dem römischen Reich und dem islamischen Gebiet darstellte.

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8. Feindliche Stämme am Rande der Ummah, Abu Bakr

Noch zu Lebzeiten des Propheten waren einige Stämme an der nördlichen Grenze in ihrer Solidarität gegenüber der islamischen Gemeinschaft wankelmütig und unzuverlässig geworden. Kaum war er jedoch gestorben, fielen einige Stämme wieder vom Islam ab, andere griffen sogar Medina an. Da gab es auch noch solche wie zB. Musailima, die sich als Propheten ausgaben. Für den Bestand des Islam war es daher unumgänglich, daß der Nachfolger des Propheten, der Kalif Abu Bakr die Ummah gegen die arabischen Aufständigen verteidigte und gegen jene vorging, die die Botschaft zu verfälschen suchten.

Die Erhabenheit des Islam, seine weise Menschlichkeit und Toleranz zeigt sich nämlich auch in der Kriegsführung. Abu Bakrs Rede an den General Usama, Zaids Sohn und seine Krieger ist ein Beweis dafür wie der Islam den Schaden für Mensch und Natur so klein als möglich halten will .
Nachdem Usama die Aufständischen im Norden und Khalid Ibn Al-Walid sie in mehreren Schlachten, ua. in der für beide Seiten verlustreichen Schlacht von Yemana besiegt hatten, ergaben sich die Stämme allmählich und wurden wieder in den Schoß des Islam aufgenommen.

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9. Einbeziehung zweier feindlicher Grossmächte: Rom und Persien

Die Pazifierungsfeldzüge im Norden (s.o. 8.) brachten die Muslime in Konflikt mit den hauptsächlich christlichen arabischen Wanderstämmen. Jenseits des Grenzgebiets lebten mit ihnen verwandte oder befreundete Stämme, die ihrerseits entweder Byzanz oder Persien untergeben waren.

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9a. Kriege im Nordosten (Persien)

Als die Muslime die Stämme, die vom Islam abgefallen waren und sie angegriffen hatten, bekriegten, hatte das wiederum Überfälle ua. der Wanderstämme des halb-arabischer Stammes von Hira, welche zum persischen Machtbereich gehörten, zufolge. Khalid und Muthanna kämpften gegen sie und den persischen Gouverneur von Kaldäa. Als sie besiegt waren, akzeptierten sie die Oberhohheit des islamischen Staates und ihre Landbesitze wurden ihnen garantiert und sie bezahlten die Landsteuer. Die Bauern wurden nicht belästigt und lebten sicher auf ihren Feldern.
Der persische König konnte sich nicht mit dem Verlust seiner Verbündeten in Hira und seiner besten Provinzen zufrieden geben und führte laufend Angriffe gegen die Muslime, anstatt zu versuchen, sein eigenes Reich, das zwar noch reich und mächtig, jedoch von inneren Streitigkeiten geschächt war, in Ordnung zu bringen und mit dem islamischen Reich friedlich auszukommen. Wenig später kam es zu einer Reihe großer Schlachten mit den persischen Truppen, welche aber besiegt wurden. Damit wurde das persische Reich für den Islam geöffnet.

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9b. Kriege im Nordwesten (Rom, dh. Byzanz)

Wie kam es nun dazu, daß die Muslime Jerusalem (und den Mittleren Osten) eroberten?

Die Gebiete im Norden des islamischen Landes und westlich von Kaldäa und Mesopotamien, wo auch arabische Stämme lebten, waren Rom, dh. Ost-Rom, also Byzanz, unterstellt. Diese Stämme des Nordens führten immer neue Streifzüge gegen das islamische Gebiet und außerdem massierten die Römer zu dieser Zeit erneut Truppen an der Grenze. Das veranlaßte den Kalifen Abu Bakr (r) (nach einer kleineren Niederlage) eine grössere Armee, bestehend aus vier Divisionen gegen sie zu schicken. (mit den vier Generalen: Abu Ubaidah, Amr Ibn As, Yazid Ibn Abu Sufjan und Shorabhil, mit Muawiyah Ibn Abu Sufjan als Reserve). Alle vier vereinten ihre Kräfte bei der Schlacht von Yarmuk, und mit Khalids Armee, die hinzugeeilt war, zählten die muslimischen Truppen 40.000 Mann. Die Römer verfügten dagegen über 240.000. Doch die Muslime schöpften ihre Kraft aus ihrem Glauben daran, daß das Versprechen Allahs Wahrheit war und Muhammad Sein Gesandter und sie siegten mit Gottes Hilfe über die Ungläubigen. Die syrischen Städte ergaben sich zum großen Teil kampflos. Jerusalem wurde einige Zeit belagert (einige Quellen meinen es wären zwei Jahre gewesen).

Der Patriarch wollte schließlich die Stadt unter der Bedingung übergeben, daß der Befehlshaber der Gläubigen, der Kalif Omar (r), selbst erscheine. Omar kam, schlicht gekleidet, von Medina mit nur einem Assistenten ohne Eskorte hergereist, mit einem Esel, den sie sich als Transportmittel teilten. Die Christen, die sich an den römischen Pomp gewöhnt hatten, verwunderten sich über solche Einfachheit der Sitten. Jedenfalls sicherte der Kalif Omar (r) den Bewohnern von Jerusalem vertraglich Religionsfreiheit zu, den Besitz ihrer Kirchen und daß sie eine leichte Steuer zu zahlen hatten.

Es begab sich, daß es Zeit war zum Gebet (Salat) und Omar (r) sich gerade mit dem Patriarchen, dem Oberhaupt der Christen, in der Kirche der Auferstehung befand. Omar (r) lehnte es ab, das Gebet dort zu vollführen, denn wie er dem Patriarchen sagte: "dann könnten künftige Generationen von Muslimen unter dem Vorwand meinem Beispiel zu folgen, den Vertrag verletzen." Später kam es zu erneuten Angriffen der Römer und einmal waren die Muslime in Palestina von einer zwanzigfachen Übermacht umzingelt, konnten sich aber aufgrund ihres Kampfesmutes und im Vertrauen auf ihre Sache befreien und die Überhand gewinnen.

Zahlreiche Überfälle der Römer von Ägypten auf Syrien her und ihre Angriffe auf See führten schließlich den Kalifen Omar (r), nach einigem Zögern dazu, einen Feldzug nach Ägypten auszustatten. In nur drei Wochen hatte Amr Ibn Âs das Land mit nur 4000 Mann von den Byzantiniern befreit! Nur Alexandria hielt noch einige Zeit einer Belagerung stand und kapitulierte dann zu vorteilhaften Bedingungen.
Wie in anderen eroberten Ländern ergriffen die Muslime sofort Maßnahmen das Los der Landbewohner zu verbessern, indem man ua. alte Bewässerungsanlagen reparierte und ausbaute, einschließlich des uralten Kanals, der das Mittelmeer mit dem Roten Meer verband. Der Boden wurde, wie gewöhnlich, im Besitz der Bauern belassen. Die Kopten (ägyptische Christen), die den Muslimen ihr Wohlwollen gezeigt hatten, wurden besonders begünstigt.

Ähnlich dem persischen Reich war es um das römische Reich bestellt: äußerlich stark, aber innerlich geschwächt. So kam es, daß wenige Jahre nachdem das neue Machtzentrum des Islam auf der arabischen Halbinsel entstanden war, die zwei größten Staaten der Region, Rom und Persien, von den muslimischen Kriegern unterworfen wurden und in eine Epoche der Menschheit eingeführt wurden, die auch heute noch beispielhaft für eine harmonische und vorbildliche Gesellschaftsordnung sein kann.

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10. Schlußwort

Dieser Artikel zeigte, dass der "junge" Islam nicht hätte überleben können, wenn der Prophet Muhammad und seine Gefährten gewaltlos hätten dagesessen, ihren Feind erwartend, sondern daß sie immer nur dann zu den Waffen griffen, wenn sie gezwungen waren sich selbst zu verteidigen.
Das gilt auch später zB. für die Kreuzzüge, oder für die Verteidiger Afghanistans gegen die ungläubigen Kommunisten und in einigen anderen Fällen. Gewiss gab es insbesondere in späteren Zeiten auch solche Feindseligkeiten, die bloß Raubzüge waren, wo sich einige Muslime und solche Individuen, die sich als Muslime ausgaben, nicht an die Botschaft des Korans hielten und nur auf Beute und Macht aus waren (zB Episoden in Spanien).
Die Gegenwart liefert ja auch einige schreckliche Beispiele dafür.
arrow out The Islamic Response to Terrorism

Alle Fehler sind unsere
und Allah weiß am besten.

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11. Fußnoten

"Heute hat der moderne Mensch seinen Sinn für das Wunder(bare) verloren, weil ihm der Sinn für das Heilige abhanden gegangen ist." KS2-8

Andere Modeworte außer Modernität: Gleichberechtigung, Fortschritt, Informationstechnik usw. Zwei Links btr. Modernität auf englisch:   modern outlook und Modernism And Modern Thought

Und der vier Kalifen (r) und der aufrechten Freunde Allahs. 

Jedoch sollte man nicht vergessen, dass Kriege, wenn man die ganze Zeit der islamischen Ummah betrachtet, die Ausnahme waren, denn meist lebte man in friedlicher Nachbarschaft und trieb Handel miteinander, auch waren die Kriege anderer Art als heute. 

Er empfing die Offenbarung voll Freude, ob es bei den Menschen Zufriedenheit oder Ärger auslöste. 

Das Prophetentum führte seine Beschwerden und Lasten mit sich, die nur die Beharrlichen und Starken unter den Gesandten mit Gottes Hilfe und Beistand ertragen können, denn sie haben vieles von den Menschen zu dulden, und man streitet mit ihnen über das, was sie im Namen Gottes verkünden. Mohammad aber handelte nach dem Befehl Gottes, trotz aller Feindseligkeiten und Kränkungen, die ihm von seinem Stamm widerfuhren. 

Wenn die Gefährten Mohammads beten wollten, gingen sie in die Schluchten ausserhalb Meckas und verheimlichten ihr Gebet vor ihrem Volke. Eines Tages, als Saad Ibn Abi Waqqas mit anderen Gefährten des Propheten in einer der Schluchten betete, erschienen mehrere Götzendiener, welche sie tadelten und durch ihre Beleidigungen zum Kampf herausforderten. Saad schlug dabei mit dem Kieferknochen eines Kamels auf einen der Ungläubigen ein und verwundete ihn am Kopf. Dies war das erste Blut, das im Islam vergossen wurde.    

Als Abu Bakr Muslim wurde, bekannte er sich offen zum Islam und forderte andere auf zu Gott und Seinem Gesandten. Er war ein leutseliger, liebenswürdiger Mann, den jeder gern hatte, er war der gelehrteste Kureischite und der bewandertste in ihrer Genealogie. Er rief die zum Islam auf, welche ihm vertrauten und seine Gesellschaft suchten. Wie ich vernommen habe, soll Muhammed gesagt haben: "Ich habe niemand zum Islam aufgerufen, der nicht zuerst Bedenken, Überlegen und Widerreden hatte, außer Abu Bakr, der hatte nichts einzuwenden und keine Bedenken."    

Weil der Islam eine Botschaft der Befreiung ist und weil der Mensch gerne seinen Gewohnheiten anhängt und weil die Meckaner um ihre Vorrechte fürchteten und dass sie nicht mehr andere Menschen ausnützen und unterdrücken könnten. 

Die Kureisch sahen, wie ihr Kult als nichtig erklärt, ihre Priester und Glaubensanhänger verstossen wurde. Alle Autorität der Heiden und des Heidentums wurde durch das Aufkommen der neuen Religion zunichte gemacht. Sie fürchteten um den Bestand ihrer gewohnten, ausschweifenden Lebensweise und ihrer Privilegien und versuchten daher mit allen Mitteln Mohammad zu neutralisieren. 

Vor der Huldigung auf der Anhöhe (durch eine Gruppe von Medinensern, sich zum Islam bekannten, genannt die Hilfsgenossen, al-Ansaar) hatte Mohammad nicht die Erlaubnis, Krieg zu führen und Blut zu vergiessen, er sollte nur zu Gott aufrufen, die Beleidigungen mit Geduld (sabr) ertragen und den Unwissenden verzeihen. Als nun die Kureischiten sich von Gott abwandten und die von Gott ihnen zugedachte Gnade zurückwiesen, den Propheten einen Lügner nannten und die, welche Gott alleine anbeteten und an Mohammad glaubten und an seinem Glauben festhielten, peinigten und verbannten, da erlaubte Gott Mohammad Krieg zu führen und sich gegen die, welche den Seinigen Gewalt antun, zu verteidigen. Daraufhin begannen sie nach Medina auszuwandern ( Der genaue Zeitpunkt des betreffenden Verses ist unklar, einige datieren ihn auf einen Zeitpunkt unmittelbar vor der Hijra, andere danach). 

Also schon vor dem Islam war die Kaaba ein Heiligtum, die Heiden hatten darin allerlei "Götterbilder", einschließlich christliche, aufgestellt; denn sie hatten den Monotheismus des Gründers der Kaaba, des Propheten Ibrahim (Abraham) (Fsmi) in Vergessenheit geraten lassen. 

Bereits drei grosse Schlachten waren gegen die Muslime geschlagen worden, für die Heiden unter dem Strich erfolglos; (siehe oben Abschnitt 4.  

Nach Hudaibija waren 1400 Mann aufgebrochen,
ein Jahr später waren es 2000 und
zwei Jahre später zur Eroberung Meckas waren es bereits 10.000 Mann. 

Sein Leben war nicht deswegen in Gefahr, weil er zögerte Muslim zu werden, sondern weil er einer der Führer der feindlichen Armee war. 

In einer Rede an die Meckaner sagte er zum Schluß: "Oh ihr Kureisch, was glaubt ihr, werde ich mit euch tun?"
Sie erwiderten: "Gutes, denn du bist uns ein edler Bruder, der Sohn eines edlen Bruders."
Er sprach: "So geht, denn ihr seid frei!" 

Der wachsende politische und ökonomische Einfluß des Islam, dh. des neuen islamischen Staatsgebildes, der aber kein Staat in unserem heutigen Sinn des Wortes war, brachte nämlich auch wachsende größere öffentliche Ausgaben mit sich. 

Durch den Kriegszug nach Tabuk wurde das Wort des Herren auf der ganzen arabischen Halbinsel verbreitet. So war die islamischen Gemeinde (ummah) vor jedem Angriff sicher. 

"Seht zu, daß ihr Betrug vermeidet. Weicht in keiner Weise vom rechten Weg ab. Ihr dürft niemanden verstümmeln, weder dürft ihr Kinder oder alte Männer töten, noch Frauen. Beschädigt nicht die Dattelpalmen und brennt sie nicht ab und fällt keinen Baum (oder Strauch), der Mensch oder Tier ernährt. Tötet nicht das Vieh, die Herden oder die Kamele, sondern schont sie für den Lebensunterhalt. Ihr dürft das essen, was die Landbevölkerung euch in ihren Schüsseln bringt, wenn ihr den Namen des Herren darüber aussprecht. Belästigt nicht die Mönche mit den kahlgeschorenen Köpfen, wenn sie sich ergeben. Marschiert nun los im Namen Gottes, möge Er euch vor dem Schwert und der Säuche schützen!"  

Die Behauptung, daß die Muslime die alexandrinische Bibliotek in Brand steckten ist vollkommen falsch und widerspricht auch dem Respekt, den Muslime vor Büchern im allgemeinen und vor der Wissenschaft im Besonderen besitzen. Historiker vermuten, daß dieser Brand zunächst unter der Belagerung des Julius Caesar ereignete und daß der Rest unter dem christlichen Kaiser Theodosius im 4. Jahrhundert zerstört wurde, der die Schriften der Heiden haßte. 

Und doch hatten die Muslime sich diese Kriege nicht gewünscht. 

<<Oh die ihr glaubt, Vergeltung nach rechtem Maß ist euch vorgeschrieben für die Ermordeten: der Freie für den Freien, der Sklave für den Sklaven, und das Weib für das Weib. Wird einem aber etwas erlassen von seinem Bruder, dann soll (die Sühneforderung) mit Billigkeit erhoben werden, und (der Mörder) soll ihm gutwillig Blutgeld zahlen. Das ist eine Erleichterung von eurem Herrn und eine Barmherzigkeit. Und wer hernach frevelt, den treffe schmerzliche Strafe.>> Koran, Sure die Kuh, Vers 178  

<<Erlaubnis (sich zu verteidigen) ist denen gegeben, die bekämpft werden, weil ihnen Unrecht geschah - und Allah hat fürwahr die Macht, ihnen zu helfen -,
Jenen, die schuldlos aus ihren Häusern vertrieben wurden, nur weil sie sprachen: 'Unser Herr ist Allah.' Und würde Allah nicht die einen Menschen durch die anderen im Zaum halten, so wären gewiß Klöster und Kirchen und Synagogen und Moscheen niedergerissen worden, worin der Name Allahs oft genannt wird. Allah wird sicherlich dem beistehen, der Ihm beisteht. Allah ist fürwahr allmächtig, gewaltig.>> Koran, Sure die Pilgerfahrt (22), Verse 39/40  

'Imran bin Husain berichtet, daß:
der Prophet sagte: "Ich blickte ins Paradies und sah, daß die meisten seiner Bewohner Arme waren und ich blickte in die Hölle und sah, daß die meisten seiner Bewohner Frauen waren."
Bukhari Band 4, Buch 54, Nr. 464  
Urwa berichtet:
Aisha erzählte mir: "Oh mein Neffe! Oft sahen wir den Halbmond, und dann wieder den Halbmond und dann wieder, so sahen wir drei Halbmonde in zwei Monaten und doch konnte im Haus des Gesandten Allahs kein Feuer angezündet werden." Ich sagte: "Oh meine Tante, wovon habt ihr euch dann ernährt?" Aisha antwortete: "Von den zwei Schwarzen: Datteln und Wasser. Unsere Nachbarn von den Helfern hatten etwas Manarh und sie schenkten oft dem Gesandten Allahs etwas von Ihrer Milch und er hieß uns davon trinken." Bukhari Band 3, Buch 47, Nr. 741  
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12. Quellenverzeichnis

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13. Weiterführende Links




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