Die Sunnadefinition von Bid`a
als entweder gut oder schlecht
by Sh. G. F. Haddad - Shawwâl 1423
I. Al-Shâfi`î's Definition
II. Al-Ghazzâlî's Definition
III. Fussnoten

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Dieser Artikel ist in zwei Teilen:

I. Al-Shâfi`î's Definition von Bid`a als entweder gut oder schlecht
II. Die Einteilung von bid`a bei den Ahl al-Sunna

Al-Shâfi`î's Definition von Bid`a
als entweder “gut” oder “schlecht”

Eine der wichtigsten Beiträge des al-Shâfi`î zu den Grundlagen des islamischen Rechts (us.ûl al-fiqh) ist seine Einteilung [des Begriffs] der Innovation [in Sachen der Religion] (al-bid`a) und erneuerte Angelegenheiten (al-muh.dathât) in “gute” und “schlechte” Innovation abhängig davon ob sie mit den Richtlinien der Religion übereinstimmen oder nicht. Dies wird von zwei seiner bedeutendsten Schüler der Spätperiode seines Lebens authentisch berichtet, die ägyptischen Hadithgelehrten H.armala ibn Yah.yâ al-Tujaybî und al-Rabî` ibn Sulaymân al-Murâdî:

H.armala sagte, "Ich hörte al-Shâfi`î (ra) folgendes sagen:

'Innovation ist zweierlei (al-bid`atu bid`atân):
Anerkannte (gutgeheissene) Innovation (bid`a mah.mûda) und missbilligte Innovation (bid`a madhmûma). Was immer mit der Sunna übereinstimmt wird gutgeheissen (mah.mûd) und was immer ihr widerspricht wird verabscheut (madhmûm). '

Als Beweis nahm er die Erklärung des `Umar ibn al-Khat.t.âb (ra) über die [gemeinschaftlichen] freiwilligen Abendgebete im Monat Ramad.ân, als er sagte: “Welch' schöne Erneuerung! ” [1]

Al-Rabî` sagte, "Al-Shâfi`î sagte zu uns:

'Erneuerte Angelegenheiten sind zweierlei (al-muh.dathâtu min al-umûri d.arbân):

Die eine ist eine Erneuerung, welche gegen etwas von dem verstösst (mâ uh.ditha yukhâlifu), was entweder im Koran ist oder in der Sunna oder gegen einen Bericht der Gefährten (athar) oder gegen die übereinstimmende Auffassung (ijmâ`): [nämlich] daß Innovation ein Irrtum ist (fahâdhihi al-bid`atu d.alâla).

Die andere Art ist die Innovation (oder Erneuerung) irgendwelcher oder aller guten Dinge (mâ uh.ditha min al-khayr) wenn sie nichts von den oben erwähnten [religiösen Quellen] widersprechen und das ist die tadellose Innovation (wahâdhihi muh.dathatun ghayru madhmûma).
`Umar (ra) sagte betreffend der Gebete des Ramadhan: “Welch' schöne Erneuerung (dies ist)! ” Damit meinte er, es ist als etwas Neues eingeführt worden, ohne vorher existiert zu haben und trotzdem gab es nichts (darin), was dem obigen widersprochen hätte.'"[2]

So hat al-Shâfi`î das wesentliche und unentbehrliche Kriterium dargelegt, zu entscheiden ob es sich um richtige bid`a handelt, wie es ua. von Imâm al-Haytamî, Qâd.î Abû Bakr Ibn al-`Arabî, und Imâm al-Lacknawî definiert wurde:

“Bid`a in Sachen des [religiösen] Gesetzes ist all das Erneuerte, was gegen den Befehl des Gesetzgebers und dessen spezifische und allgemeine Beweise verstösst.”[3]

“Nur jene bid`a, die der Sunna widerspricht, ist tadelnswert.”[4]

“Bid`a ist all das was es in den ersten drei Jahrhunderten nicht gab und für welches es keine Grundlage gibt in den vier Quellen des Islam”, dh. Koran, Sunna, Ijmâ`, und Qiyâs.[5]

Daraus folgt, daß es nicht ausreicht, daß etwas bloss neu ist um bid`a zu sein, es muss auch der Religion widersprechen.

Al-Ghazzalis identische Definition

H.ujjat al-Islâm Al-Ghazzali (ra) schrieb, als er das Hinzufügen der arabischen Vokalzeichen zum Korantext erörterte:

“Die Tatsache daß dies eine Erneuerung ist (muh.dath), ist dafür kein Hindernis. Wie viele Erneuerungen sind nicht ausgezeichnet! So wie man die Verrichtung des gemeinschaftliche Tarâwîh-Gebetes als eine der Erneuerungen des `Umar (ra) bezeichnete und eine ausgezeichnete Erneuerung (bid`a h.asana) dazu. Eine tadelnswerte Erneuerung ist nur jene, welche der althergebrachten Sunna widerspricht oder zu ihrer Änderung führen könnte. ”[7]

Fussnoten (auf englisch)

[1] Narrated from H.armala by Abû Nu`aym with his chain through Abû Bakr al-âjurrî in H.ilyat al-Awliyâ' (9:121 #13315=1985 ed. 9:113) and cited by Abû Shâma in al-Bâ`ith `alâ Inkâr al-Bida` wal-H.awâdith (Ryadh 1990 ed. p. 93), Ibn Rajab in Jâmi` al-`Ulûm wal-H.ikam (p. 267=Zuh.aylî ed. 2:52= Arna'ût. ed. 2:131 s.ah.îh.), Ibn H.ajar in Fath. al-Bârî (1959 ed. 13:253), al-Turt.ûshî in al-H.awâdith wa al-Bida` (p. 158-159), and al-Shawkânî, al-Qawl al-Mufîd fî Adillat al-Ijtihâd wa al-Taqlîd (1347/1929 ed. p. 36). `Umar's report is narrated by Mâlik in al-Muwat.t.a' and al-Bukhârî in his S.ah.îh..

[2] Narrated from al-Rabî` by al-Bayhaqî in his Madkhal and Manâqib al-Shâfi`î (1:469) with a sound chain as stated by Ibn Taymiyya in his Dâr' Ta`ârud. al-`Aql wa al-Naql (p. 171) and through al-Bayhaqî by Ibn `Asâkir in Tabyîn Kadhib al-Muftarî (Kawtharî ed. p. 97). Cited by al-Dhahabî in the Siyar (8:408), Ibn Rajab in Jâmi` al-`Ulûm wal-H.ikam (p. 267=Zuh.aylî ed. 2:52-53=Arna'ût. ed. 2:131 s.ah.îh.), and Ibn H.ajar in Fath. al-Bârî (1959 ed. 13:253).

[3] Al-Haytamî, al-Tabyîn fî Sharh. al-Arba`în (p. 32).

[4] Ibn al-`Arabî, `Ârid.at al-Ah.wadhî (10:147).

[5] Cf. al-Lacknawî, Iqâmat al-H.ujja (p. 12).

[7] Al-Ghazzâlî, Ih.yâ' `Ulûm al-Dîn (1:276).

 

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latest update: Wed, 7 Jan 2009

2003-01-16

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