Über Geistigkeit oder Spiritualität

Was ist 'geistig,' 'spirituell' und was ist 'intellektuell'?

Einige Ausführungen aufgrund der Theorie des Metaphysikers René Guénon, rezipiert von Kurt Almqvist

Im Grunde des Begriffs der Geistigkeit oder Spiritualität findet sich die Erfahrung einer geheimnisvollen, schrecklichen, oder gewaltigen Kraft, die als Manifestation der göttlichen Macht angesehen wird. Diese Geistigkeit oder Spiritualität ist jene Dimension, oder Organ der menschlichen Person, durch welche ein Verhältnis zu Gott möglich ist. Dazu gehören auch die Ideen der Relativität, des Universellen, der absoluten, transzendenten, höchsten Wahrheit und der höchsten Wirklichkeit.

Das geistige, spirituelle oder 'intellektuelle' bezieht sich also "auf das was über das individuell-mentale Niveau des Menschen hinausgeht und (es) wird nur gebraucht für jene Elemente, die eine geistige Brücke bauen zwischen dem Menschen und der Welt einerseits und Gott andererseits." LK16 Dazu ist die Sprache der Symbolik besonders geeignet. [L: Symbolik]
Mit geistig, spirituell ist in unserer Definition jedoch nicht gemeint, was sich auf Gedankensysteme der letzten Zeit stützt, welche die Seele betrachten, indem sie von Gott abstrahieren, wo doch Gott Herr der Seele ist. Dies ist anti-traditionelle, daher letztlich satanisch inspirierte Sichtweise, die sich nicht auf die heiligen Schriften der Religionen stützen, vermittelst einer authentischen Überlieferungskette, dh Tradition, sondern 'frei' nach ihrem Gutdünken handeln, oder was in der Empirie als xx Psychologie xx Forschung als . Sie stellen eine grosse Gefahr dar und sind Vorboten und Wegbereiter des Anti-Christs (Dajjâl).

Durch die besondere Entwicklung der westlichen Welt seit dem Mittelalter und insbesondere seit der französischen Revolution, ist dem modernen Menschen die empiristische Betrachtungsweise wie zu einer zweiten Natur geworden.

Deshalb muß er sich zunächst darüber klar werden, daß wenn er zB von Tatsachen oder Fakten spricht, "diese Fakten überhaupt 'als solche' nicht existieren, (sie existieren) bloß in dem Masse, in dem sie die jenseitige Wirklichkeit widerspegeln." Diese jenseitige oder höchste Wirklichkeit ist diejenige, "die letztendlich etwas bedeutet, denn alles, - auch 'Fakten'- werden von ihr eingenommen oder umschlossen. LK

Das heisst also, daß "die Wahrheit oder Unwahrheit einer Weltanschauung in dieser Sichtweise allein davon abhängt, ob sie sinnbildlich das Transzendete auszudrücken kann." Kann sie das nicht ist sie positivistisch flach oder 'eindimensional', denn sie abstrahiert vom Wesen oder Wesentlichen. Es geht daher darum, "die Menschen ihr Weltbild so eingeordnet in das metaphysische Ganze sehen zu lassen, wie es wirklich ist." LK39 Der Empirismus glaubt aufgrund ihrer, vom individuellem Forscher scheinbaren unabhängigen Methoden - frei zu sein von subjektiver Willkür und eingebildeter Antropocentrität. Das ist jedoch eine blosse Illusion. LK40

Ausgangspunkt und Reichweite der Untersuchungen werden durch den Forscher bestimmt, "die Dinge werden letztlich nicht in sich selbst gesehen, sondern in Relation zum forschenden Menschen, letztendlich ist die moderne Wissenschaft [also doch] subjektiv und antropocentrisch ... Sie hat ihre relative Existenzberechtigung in den technischen Hilsmitteln, die sie - in übertriebener Weise - herstellt, aber sie unterrichtet uns nicht über das Wesen der Dinge und gibt uns daher kein wahres und vollständiges Weltbild." Das wird aber gewöhnlicherweise von der modernen Wissenschaft?? unterstellt. ] LK40

Um eine objektive Erkenntnis der Dinge zu ermöglichen und zu einer Ganzheit der Erkenntnis zu gelangen, muss unsere Erkenntnis daher "in das ontologische Sein eingehen, das durch ein unendliches Transzendieren aller Sinnesobjekte der Inbegriff von allen ihnen ist - es ist das "absolute Objekt." Die menschliche Vernunft (ratio) kann das Verborgene nicht erkennen, jene eigentlich verborgene, 'überidische' Eigenschaft des Wesens der Dinge, ihr Kern. Notwendig ist die intellektuelle Intuition, um das Wesen der Dinge auf diese objektive Art und Weise erkennen' zu können: LK41

Diese intellektuelle Intuition ist eine unmittelbare Erkenntnis des unsichtbaren Kernes, den Verstand übersteigend, und dieses Vermögen heisst Geist oder Intellekt.LK41
Von diesem Organ, also dem Geist oder dem Intellekt, sagt Meister Eckhart: Es gibt etwas in der Seele, das ist unerschaffen und nicht zu erschaffen, wenn die ganze Seele so wäre, wäre sie unerschaffen und nicht zu erschaffen, und das ist der Intellekt. ()"

[Die prinzipielle Freiheit des Intellekts vom Subjekt - Objekt Verhältnis]

Was Meister Eckehart damit meint, weist auf folgende metaphysische Anschauung: "Nur von unserem begrenzten Standpunkt aus, also einem nur relative wahren Standpunkt - kann Gott einerseits als 'Subjekt' der Schöpfung, und andererseits als 'Objekt' des Menschen angesehen werden, als 'Objekt' [in seiner Anbetung, oder] in seinem Streben 'zurück' zum Unerschaffenen [Ewigen]. Denn letztendlich hat [die Dualität] Schöpfung - 'Objekt' keine Wirklichkeit, genauso wenig wie ihr Korrelat [das Begriffspaar] Schöpfer - 'Subjekt'," denn die Welt ist 'an sich' nicht [durch sich selbst], wie Eckehart sagt, 'alles Geschaffene ist nicht', denn vor der Schöpfung war Gott, der Der Er war," [oder isl., 'Er war über der schwarzen Wolke, mehr können wir darüber nicht aussagen].

Da Gott alles ist und nichts ist WIRKLich [selbstständig, bestimmend, regierend, lebendig] ausser Gott - Allah und der menschliche Geist hat in Wirklichkeit Gott nie [wie in dualistischer Anschauung] verlassen, Ihn, der Selbst die Einheit ist, die Einheit der Wirklichkeit, der Höchsten Wirklichkeit.

Über den Intellekt:

Der Intellekt ist wie "ein Strahl, der aus 'der Sonne' des göttlichen Selbst herrührt und der in dessen Ganzheit jeden der individuellen menschlichen Seinszustände erleuchtet." GD21

Mit den individuellen menschlichen Seinszuständen sind die auf unterschiedliche Weise formgebundenen Zustandsniveaus [oder Existenzzustände] gemeint, von denen der menschliche Zustand in dieser Welt nur einer unter zahllosen anderen ist.

"Der Intellekt vereint alle diese (Seinszustände) untereinander und mit deren 'Lichtquelle', dem Göttlichen, und erzeugt durch seine Spiegelung im speziellen 'Wasser' des menschlichen Seinszustandes den Reflex der 'Sonne' des Selbst, welches ihn ausmacht.

"Das 'ich' ist die menschliche Individualität und das Selbst - verstanden als die Ganzheit des unmanifestierten Prinzips und dessen direkte Ausstrahlung, der manifestierte aber über-individuelle Intellekt - kann daher die göttliche Person [Person, 'durch Sich' - das Prinzip] genannt werden.

"Der Umstand, daß der Intellekt ganz und gar jenseits des Individuellen (angelegt) ist, schliesst alle Gedanken an solche Klischees wie 'Pantheismus' oder 'Immanenz' aus, schliesst aber andererseits nicht aus, daß der Intellekt - wie oben beschrieben - auf symbolische Weise und dadurch gerade wirklich - in der Mitte eines jeden Geschöpfes ruht, wie das, wodurch alles wurde und dadurch wie auch das, wodurch alles die Möglichkeit hat, in den unmanifestierten [Zustand] zurückzukehren." GD22/3

 

Omar K Neusser

Literatur:

LK: Livklädnaden -som revs sönder; Almqvist, Kurt; Stockholm 1967
GD: Den Glömda Dimension; Almkvist, Kurt; Stockholm 1959






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latest update: Wed, 7 Jan 2009

2003-06-15

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